Tragende Wände

Tragende Wände sind ein essentieller Bestandteil jeder Gebäudestruktur, da sie das Gewicht von Decken, Dächern und weiteren Stockwerken tragen und dieses gleichmäßig auf das Fundament verteilen. Wer umbauen oder renovieren möchte, sollte unbedingt wissen, welche Wände tragend sind und welche nicht, um Statikprobleme und Sicherheitsrisiken zu vermeiden.

1. Was sind tragende Wände?
Tragende Wände sind konstruktive Elemente eines Gebäudes, die:

Lasten von oben (Decken, Dach) aufnehmen und an das Fundament weiterleiten.
Die Stabilität und Statik des Hauses sicherstellen.
Nicht ohne bautechnische Maßnahmen entfernt oder durchbrochen werden können.


2. Unterschiede zwischen tragenden und nicht tragenden Wänden
Tragende Wände: Übernehmen statische Aufgaben und tragen Gewicht von oben.
Nicht tragende Wände: Dienen nur der Raumaufteilung und haben keine statische Funktion – sie können meist problemlos entfernt oder versetzt werden.


3. Wie erkennt man tragende Wände?
a. Baupläne und Statikunterlagen prüfen
Baupläne geben Aufschluss über die Konstruktion und zeigen, welche Wände tragend sind.
Statikunterlagen (beim Bauamt oder Architekten erhältlich) geben genaue Auskunft über die Lastverteilung im Gebäude.


b. Wandstärke als Anhaltspunkt
In Altbauten: Tragende Wände sind oft dicker (24–36 cm), während nicht tragende Trennwände meist 10–15 cm dick sind.
In Neubauten: Tragende Wände sind oft aus Beton oder massivem Ziegel und mindestens 20 cm stark.


c. Position und Verlauf der Wand
Tragende Wände verlaufen häufig übereinander in mehreren Stockwerken, um die Last optimal zu verteilen.
Außenwände sind in der Regel immer tragend.
Innenwände sind oft tragend, wenn sie in der Mitte des Hauses oder unterhalb von Deckenträgern verlaufen.


d. Klopftest – Nicht immer zuverlässig
Massiver Klang: Deutet auf eine tragende Wand aus Beton oder Ziegel hin.
Hohler Klang: Könnte eine nicht tragende Leichtbauwand sein.
Achtung: Dieser Test ist nicht immer zuverlässig, da auch nicht tragende Wände massiv klingen können.


4. Änderungen an tragenden Wänden – Geht das?
Ja, aber nur mit baulichen Maßnahmen und Genehmigungen:

Wanddurchbrüche (z. B. für Türen oder Fenster) sind möglich, wenn geeignete Sturzträger zur Lastabtragung eingebaut werden.
Teilweiser Rückbau oder Entfernung tragender Wände erfordert die Installation von Stahlträgern oder Unterzügen, um die Lasten auf andere Bauteile zu verteilen.
Genehmigungspflicht: Änderungen an tragenden Wänden sind in der Regel genehmigungspflichtig und müssen von einem Statiker berechnet und von einem Bauamt genehmigt werden.


5. Wer darf an tragenden Wänden arbeiten?
Statiker: Berechnet die Lastabtragung und erstellt ein statisches Gutachten.
Architekt oder Bauingenieur: Plant die baulichen Maßnahmen und kümmert sich um die Baugenehmigung.
Fachfirma oder Maurer: Führt die Arbeiten fachgerecht aus – Selbstbau ist bei tragenden Wänden nicht zu empfehlen!


6. Kosten für Änderungen an tragenden Wänden
Die Kosten sind stark abhängig von Aufwand, Material und Statik:

Statische Berechnung: Ca. 500–2.000 Euro, je nach Umfang und Region.
Stahlträger und Einbau: Ab 2.000 Euro, bei großen Öffnungen oder mehreren Stockwerken deutlich mehr.
Genehmigungskosten: Ca. 300–1.000 Euro, abhängig vom Bauamt.


7. Sicherheits- und Genehmigungsanforderungen
Baurecht und Genehmigung: In Deutschland und Österreich sind Änderungen an tragenden Wänden genehmigungspflichtig.
Sicherheitsvorschriften: Es müssen Bau- und Sicherheitsvorschriften (z. B. Brandschutz) eingehalten werden.
Versicherungsschutz: Ohne statische Berechnung und Genehmigung kann der Versicherungsschutz bei Schäden (z. B. Einsturz) erlöschen.


Fazit – Sicherheit geht vor!
Tragende Wände sind wesentliche Stützelemente eines Gebäudes. Veränderungen daran sollten nur mit professioneller Planung und statischen Berechnungen erfolgen, um die Sicherheit und Stabilität des Gebäudes nicht zu gefährden.


Extra-Tipp:
Holen Sie vor größeren Umbauten immer mehrere Angebote ein und lassen Sie sich umfassend beraten – das spart Kosten und Nerven.

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